WS1 Störungsmodell, Theorie, Diagnostik, therapeutische Haltung, Strategien

Donnerstag, 27.08.20, 10 bis 18:00 Uhr, Freitag, 28.08.20, 9:30 bis 13 Uhr

Die Schematherapie nach Jeffrey Young wird als Weiterentwicklung der kognitiven Verhaltenstherapie zu der sogenannten dritten Welle in der Verhaltenstherapie gerechnet.

Dieser integrative Ansatz verbindet dabei erlebnisaktivierende, übende und kognitive Techniken zu einem konsistenten therapeutischen Vorgehen. Davon profitieren gerade Patientinnen und Patienten mit tief greifenden und komplexen Störungsbildern, bei denen sich Standardinterventionen oft als unzureichend erwiesen haben, wie solche mit Persönlichkeitsstörungen und chronifizierten Achse-I-Störungen.

Wesentliche Elemente der Therapie sind die Identifizierung und Bearbeitung der frühen maladaptiven Schemata sowie der jeweiligen dysfunktionalen Bewältigungsstrategien. Mit Hilfe des Modus-Konzeptes können die aktuell vorherrschenden inneren Gesamtzustände beschrieben und behandelt werden.

Die Basis der schematherapeutischen Behandlung ist eine differenzierte Gestaltung der therapeutischen Beziehung in der Form der begrenzten elterlichen Fürsorge („Limited Reparenting“). Dabei ist es wichtig für den Therapeuten, seine eigenen Schemata zu kennenzulernen, um deren Folgen für den Therapieprozess einschätzen zu können.

In diesem Workshop wird eine Basiseinführung in die Schematherapie gegeben mit einem Überblick über die Bereiche: Störungsmodell, Theorie, Diagnostik, therapeutische Haltung und Strategien, Forschung. Im Einzelnen sind folgende Inhalte und Methoden geplant:

  • Modell der Entstehung und Aufrechterhaltung maladaptiver Schemata,
  • Vorstellung der Theorie des Schema-Modells (negative emotionale Schemata, dysfunktionale Bewältigungsstile, Schema-Modes) mit Ausfüllen ausgewählter Fragebögen in Kurzform,
  • Darstellung der 18 von Young beschriebenen Schemata sowie typischer Bewältigungsstrategien im Umgang mit Schemata (Erdulden, Vermeiden, Überkompensation),
  • Erläuterung der Schemamodi,
  • multimodale Diagnostik (Einsatz von Exploration, Fragebogen, Imaginationstechniken, Weg zur schematherapeutischen Fallkonzeptualisierung), auch im Rollenspiel
  • Darstellung therapeutischer Strategien: kognitive, Erlebnis aktivierende sowie spezifische Techniken und Methoden der Schematherapie, auch mit Video-Beispielen,
  • Überblick über bisherige Forschungsergebnisse zu Wirksamkeitsnachweisen.

Anhand von Videobeispielen (zum Teil auch in englischer Sprache) und Übungen werden exemplarisch wesentliche schematherapeutische Therapieschritte und Werkzeuge vorgestellt.

 

Literaturempfehlungen:

  • Berbalk, H. & Young, J.E. (2009). Schematherapie in: H. Margraf, J., Schneider, S. (Hrsg.) Lehrbuch der Verhaltenstherapie. Band 1: Grundlagen, Diagnostik, Verfahren, Rahmenbedingungen (3. Aufl.) S. 645-668. Heidelberg: Springer Medizin.
  • Jacob, Gitta & Arntz, Arnould (2011). Schematherapie in der Praxis. Weinheim: Beltz.
  • Roediger, Eckhard (2009, 2. Auflage 2011). Praxis der Schematherapie. Stuttgart: Schattauer.
  • Roediger, Eckhard & Jacob, Gitta (2011). Fortschritte der Schematherapie. Göttingen: Hogrefe.
  • Young, J., Klosko, J. & Weishaar, M. E. (2005). Schematherapie. Paderborn: Junfermann.
  • Young, J. & Klosko, J. (2006). Sein Leben neu erfinden. Paderborn: Junfermann.

Siehe auch unter http://www.schematherapie-koeln.de/literatur.html